Riesenspaß mit falschen Freunden

„Ich denke, hier ist délicatesse gefragt.“ Wie bitte? Was haben Delikatessen damit zu tun in einer Situation Taktgefühl zu zeigen? Sehr viel, wenn ein Franzose sich in einer deutschen Konversation des französischen Wortes für Taktgefühl „délicatesse“ bedient, das nämlich genauso klingt wie das deutsche Wort „Delikatessen“.

Falsche Freunde (frz. faux amis) sind eine delikate* Angelegenheit. Während die oben beschriebene Demonstration (frz. manifestation; démonstration bedeutet nämlich Beweis) wahrscheinlich nur ein Nichtverstehen zur Folge hat, können die falschen Freunde an anderer Stelle für Lacher sorgen und im schlimmsten Fall zu verärgerten Reaktionen führen. Manch falscher Freund kann einen schon in den Wahnsinn (frz. folie; die deutsche Folie heißt hier film plastique) treiben. Quel bordel ! (dt. für „Was für ein Chaos!“)

„Donnez-moi un baiser s’il vous plaît !“

Wenn die Bäckerin gut drauf ist, bekommt der Besteller einen Kuss auf die Wange gedrückt. Hat der Kunde Pech, fühlt sich die Bäckerin jedoch anzüglich angesprochen und setzt ihn ohne das gewünschte Zuckerstück auf die Straße. Denn der deutsche Baiser heißt auf Französisch „meringue“ und „le baiser“ ist „der Kuss“.

„L’état, c’est moi !“

Der Etat, das bin ich? Der berühmte Ausspruch aus der Zeit den französischen Absolutismus hat nichts mit einem Etat zu tun, denn in Frankreich spricht man vom budget, wenn es ums Geld geht. L’état ist der Staat. Der Staatsetat ist also demzufolge le budget d’état. Und das Zitat heißt richtig übersetzt: Der Staat bin ich!

* Manche „falsche Ableitung“ ist gar nicht so falsch. Delikatessen sind im Deutschen zwar etwas ganz anderes als Taktgefühl. Das Adjektiv „delikat“ jedoch ist in seiner Bedeutung mehrdeutig: Ein delikates Gericht ist ein köstliches Essen während eine delikate Angelegenheit für eine heikle Situation steht. Das französische Adjektiv „délicat“ meint je nach Kontext fein, zart, zierlich, behutsam oder aber eben delikat im Sinne von prekär, schwierig, heikel.