Lesen, was wir hören wollen

Der große Friedemann Schulz von Thun hat zusammen mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen ein neues Buch über Kommunikation auf den Markt gebracht. Zentrale Frage des Buches ist, ob (beziehungsweise wie) Kommunikation uns mit Glück erfüllen kann. Gibt es überhaupt ein Rezept für eine gelungene Verständigung?

Das berühmte 4-Ohren-Modell des Kommunikationspsychologen Schulz von Thun kann zumindest eine Idee davon vermitteln, wie Missverständnisse vermieden werden können. Wir wollen uns das Modell unter Copywriting-Gesichtspunkten ansehen – bevor wir jedoch zur Praxis kommen, noch ein paar Worte zur Theorie:

„Der Mensch, der hat zwei Ohren, so ist der Menschen geboren.“ Richtig? Falsch! Laut Schulz von Thun hören wir nämlich mit vier Ohren und jede Kommunikation enthält dementsprechend vier Botschaften gleichzeitig:
Eine Sachinformation: Worüber ich Dich informiere.
Eine Selbstkundgabe: Was ich von mir zu erkennen gebe.
Einen Beziehungshinweis: Was ich von Dir halte und wie ich zu Dir stehe.
Einen Appell: Was ich bei Dir erreichen möchte.
Wenn wir miteinander kommunizieren, sind auf beiden Seiten 4 „Münder“ und 4 „Ohren“ beteiligt. Die Qualität der Kommunikation hängt also davon ab, in welcher Weise diese zusammen spielen.

Wir wollen hier die klassische „Grüne-Ampel-Situation“* überspringen und gleich zum allerersten Stereotextperiment übergehen. Unser Aufruf an den geneigten Blogleser: Wir suchen Beispiele, anhand denen wir amüsant-anschaulich aufzeigen können, wie vierdeutig schief eine Unternehmenskommunikation laufen kann. Hier ist vom Claim bis zur Kundenkommunikation im Kommentarfeld alles willkommen. Wir spielen Ihr Beispiel dann ganze viermal in den nächsten Blogbeiträgen durch.

Kommunikation als Lebenskunst: Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens von Bernhard Pörksen und Friedeman Schulz von Thun; Carl Auer Verlag; Auflage: 1 (12. September 2014)

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* Wer sie nicht kennt, hier die gerne zitierte Geschichte mit der grünen Ampel:
Ein Paar sitzt im Auto, die Frau fährt und der Mann sagt: „Die Ampel da vorne ist grün.“ Eine eindeutige Aussage? Mitnichten, denn wenn die Frau mit Beziehungs- und Appelohr hört, ist der Streit nur einen Satz entfernt, denn sie versteht: „Jetzt fahr doch mal ein bisschen schneller, sonst schaffen wir die güne Ampel nicht mehr, Du lahme Schnecke.“