Warum die Auvergne das Silicon Valley Frankreichs ist

Unglaublich, aber wahr: Die Auvergne ist so ziemlich der heißeste Spot Europas, wenn es um digitaltechnische Innovationen geht. Hier arbeiten die kreativsten Köpfe des modernen Europas. Als Copywriter interessieren wir uns natürlich brennend dafür, was auf dem digitalen Markt so los ist, denn wir arbeiten oft und gerne interdisziplinär. Die Kooperation mit Agenturen und Startups ist Teil unseres Schreiballtags. Deshalb sind wir auf Clermont-Ferrand (und dieses Mal nicht auf Berlin ;) gekommen – und das nicht von ungefähr, denn der Ort wird als das Silicon Valley mit französischem Flair gehandelt.

Bienvenue im Kalifornien Frankreichs

Es ist eine neue Welt, die sich in der Auvergne, einem uralten vulkanischen Massiv in der Mitte Frankreichs, etabliert hat. Die Hauptstadt der Region, Clermont-Ferrand, ist der „Place-To-Be“ der digitalen Bohème, denn hier lässt es gut (und günstig) leben. So hat sich in den letzten Jahren viel kreatives Potential versammelt, um spitzentechnologische Anwendungen zu entwickeln. Die Neu-Auvergnats haben sogar eine Petition gestartet, damit das Meer in die Auvergne verlegt wird – denn das ist einzige, was hier noch fehlt. Ansonsten mangelt es der Region an nichts, um seinem Ruf als das „Kalifornien Frankreichs“ gerecht zu werden.

Cool und total angesagt

Auvergne Logo

„Bienvenue dans le Nouveau Monde“ (Willkommen in der Neuen Welt) lautet die Begrüßung auf der Website der Organisation Auvergne Nouveau Monde –  ein selbstbewusster Wink Richtung Kalifornien. Denn neben Kühen, dem Michelin-Konzern und einigen französischen Präsidenten a.D. hat die Region noch mehr zu bieten: Gerade für junge und innovativ denkende Unternehmer ist es attraktiv, hier mit ihrer Geschäftsidee zu starten. Dazu beigetragen hat vor allem die 2011 ins Leben gerufene Initiative der Conseil régional d’Auvergne. Innerhalb kürzester Zeit ist es der Auvergne Nouveau Monde gelungen, ein regionales Netzwerk über mehr als 450 große, mittlere und kleine Unternehmen aufzubauen.

Der Organisation ist damit ein erstaunlicher Marketing-Coup gelungen, denn der Entwicklung der Region standen einige Hürden entgegen. Nicht gerade urban, mitunter schwierig zu erreichen (da es keine direkte TGV-Linie und nur wenige Flüge aus Paris und anderen europäischen Städten gibt) und eine  Bevölkerung, deren Alter deutlich über dem französischen Durchschnitt liegt – alles Faktoren, die für die Entwicklung eines hochmodernen Wirtschaftsstandorts auf den ersten Blick eher hinderlich sind.

Gäbe es da nicht – neben dem großen Enthusiasmus der Auvergnats – auch große Pluspunkte, die für die Region als Top-Standort sprechen. So ist die „alte“ Wirtschaft vielseitig aufgestellt – Industrie trifft auf Landwirtschaft. Mit Michelin hat die Region bei „Forschung & Entwicklung“ schon lange die Nase vorn.

Die Auvergne kann noch mehr: Begeisterte Entrepreneurs und kreative Macher kommen hierher, weil sie sich nicht länger dem Stress und den überteuerten Preisen in Paris aussetzen wollen. Denn hier können sich auch junge Menschen und Familien ein angenehmes Leben leisten und zum Beispiel viel früher über einen Hauskauf nachdenken. Das ist undenkbar in Paris oder anderen großen Städten, wo selbst kleine Wohnungen schon ein Vermögen kosten. Zudem ist das Klima relativ mild. Es gibt etwa 15% mehr Sonnentage als in der Ile-de-France, da die Auvergne viel südlicher als Frankreichs Hauptstadt liegt. Nicht zuletzt locken köstliche regionale Spezialitäten – vom saftigen Rindfleisch bis zum würzigen Käse – nicht nur Touristen an.

Unzählige Möglichkeiten für junge Unternehmensgründer

Auvergne Hashtag

Auch nüchterne Statistiken belegen, dass die Auvergne  mit ihren vier Departements Puy-de-Dôme, Allier, Haute-Loire und Cantal idealer Standort für Neugründungen im digitalen Bereich ist. Die regionale Arbeitslosenquote lag im dritten Trimester 2014 mit 8,6% deutlich unter dem nationalen Durchschnitt von 10,4%. Im Cantal ist die Arbeitslosigkeit mit 6,5% besonders niedrig. Neben der Landwirtschaft ist vor allem die Industrie ein starker Motor für die Wirtschaft in der Region. 22% (also etwa 110.000 Auvergnats) arbeiten in einem industriellen Bereich. Auch hier liegt die regionale Beschäftigungsquote deutlich über dem nationalen Durchschnitt von 18%.

Die Sektoren sind so vielfältig wie die Region selbst: Von der Lebensmittelindustrie und Metallindustrie über Werkstofftechnik und Chemie bis zur Herstellung von Gummi- und Plastik sind die Unternehmen breit aufgestellt. So haben sich hier neben dem Lokalhelden Michelin weitere Konzerne wie Dunlop, Limagrain (Hersteller von Saatgut) und das berühmte Mineralwasser Volvic der Danone-Gruppe angesiedelt. Zudem ist die Auvergne mit dem Luft- und Raumfahrtunternehmen Groupe Auvergne Aéronautique wichtiger Anlaufpunkt, wenn es um Luftfahrttechnik geht. Gerade die „klassischen“ Industrie-Unternehmen sind immer auf der Suche nach neuen Spitzentechnologien und klugen Köpfen, die mit frischen, ungewöhnlichen und innovativen Ideen das Unternehmen voranbringen.

Es gibt also viele gute Gründe, damit digitale Start-ups und Biotech-Firmen gerade hier die Zelte aufschlagen. Kein Wunder also, dass die Auvergne mittlerweile liebevoll als „Gründer-Himmel“ („une pépinière à ciel ouvert“) in aller Munde ist – auch über die Grenzen Frankreichs hinaus.

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Einen Einblick in die neue Welt rund um Clermont-Ferrand gibt auvergne-nouveau-monde.fr

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Dieser Text wurde inspiriert von dem Artikel „L’Auvergne, la Californie française“ aus L’Express