Ich zähle das, was Du nicht liest

Abb. 1: Exakt auf das Zeichen getextet

Es war einmal ein kleiner Text, der wollte ganz groß werden. Er hatte nur drei Sätze, 38 Wörter und 214 Buchstaben. „Es sind 221 Zeichen, da sind ja immerhin noch die Leerzeichen mit drin,“ dachte der Text trotzig.

Manchmal wird der Texter das Gefühl nicht los, sein Leben sei von Ziffern anstatt von Buchstaben bestimmt: Strikte Zeichenvorgaben (#banner), Bezahlung pro Wort (#cent), Textlängen (#wordcount) oder Text nach Zeit (#deadline) verleihen der Schreibarbeit eine gewisse mathematische Note, die sich mal multiplikativ, manchmal allerdings auch substraktiv auf die Kreativität des Schreibenden auswirkt. So gehören die Vermessung der Überschrift, das Auszählen der Zeichen, Wörter, Sätze und das Schreiben im Raum-Zeit-Kontinuum zu den alltäglichsten Aufgaben eines jeden Copywriters und Übersetzers und ohne die sich die Formel für den perfekten Text nicht finden liesse.

Die Moral von der Geschichte? Der kleine Text bleibt ein kleiner Text, auch wenn er am Ende mit sieben Sätzen, 168 Wörtern und 1.115 Buchstaben, pardon Zeichen, ein bisschen größer und glücklicher als zu Beginn der Geschichte ist.

Abb. 2:  Aus der Texterpraxis: der Wort- und Zeichenzähler von WriteRoom