Microblogging: Machen 280 Zeichen Twitter besser?

Es ist schon einige Zeit her, dass Twitter die zulässige Zeichenanzahl eines Tweets von 140 auf 280 verdoppelt hat. Damit hat das, was Twitter berühmt-berüchtigt gemacht hat, ein zeilenträchtiges Ende genommen: In der Kürze liegt die Würze – das war einmal. Aber haben mehr Zeichen tatsächlich das Ende des #microbloggings eingeläutet?

Die Frage lässt sich auf den ersten Blick eindeutig beantworten: Nein, es ist nicht das Ende der Kurznachrichten, denn mit 280 Zeichen limitiert Twitter seine Twitterer natürlich immer noch, auch wenn jetzt alles irgendwie länger gesagt bzw. geschrieben werden kann. Das ist durchaus schade, denn eine Zeichenbeschränkung auf 140 Charaktere hatte seinen kreativen Reiz (selbst eine klassische SMS – wer erinnert sich noch? – durfte bis zu 160 Zeichen lang gehen). Von #twitteratur über #TwitterTV bis zum #minikrimi gab es nicht viel Platz, um den Spannungsbogen zu zelebrieren und eine Geschichte vom Anfang bis zum Ende zu erzählen…

Auf den zweiten Blick ist die Frage also nicht so ganz eindeutig mit „Nein“ zu beantworten, denn auch wenn es dem Twitterer obliegt, seine Tweets altherkömmlich kurz zu fassen und in weniger als 140 Zeichen das auszudrücken, was die Außenwelt wissen will (oder soll), so besteht doch bereits bei 280 Zeichen die Gefahr, sich der Schwafelei hinzugeben und Unnützes wie #füllwörter und anderes #covfefe einzutippen. Mit seinem Macroblogging macht Twitter dem Sozialen Blabla Medium Facebook ernsthaft Konkurrenz.

Den wahren Microblogging-Tweet-Mord hat Twitter allerdings schon 2011 begangen: Mit der Einbettung von Bildern (und ab 2016 Bewegtbildern, den auch sogenannten Videos ;-) ging Stück für Stück der für Twitter charakteristische #minimalismus flöten, dem auch heute noch wahre Twitter-Puristen nachtrauern.

Doch eine winzige Hoffnung tut sich auf am digitalen Horizont: Sollte die Beliebtheit von #smartwatches wie Apple Watch, Samsung Galaxy Watch oder Fitbit Versa weiterhin zunehmen und die wlan-fähige Variante der Armbanduhr an immer mehr Handgelenken Platz finden, heißt es wieder „weniger (Text) ist mehr (Info)“. Mit einer radikalen Beschränkung auf 80 Zeichen schlägt die Smartwatch sogar den klassischen Tweet – mehr Nanoblogging geht nicht!

ST

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